Gruselige Geschichte: Ich habe so eine heute erlebt.

Begegnung mit dem Unsichbaren.
Der Abenteurer:
Manche wachen auf und haben in ihren Träumen schon alles erlebt. Sie wachen auf und gehen nicht davon, denn sie meinen, dass sie schon dort waren, wo das Abenteuer wartet.

Ich aber kann nicht schlafen, ich träume nie.
Ich habe viele Narben, und manchmal nachts, wenn ich allein liege, schmerzen sie mich. Sie tun mir weh wie es den Blüten weh tut, wenn sie aufbrechen. Dann muss ich gehen, Ge­fahren und Abenteuer suchen.

Ich gehe so lange, bis mir neue Wunden geschlagen wer­den.
Auf der Schneide eines Messers bin ich über den Abgrund zwischen zwei Felsen gelaufen. Die Fußsohlen habe ich mir zerschnitten. Türen habe ich aufgestoßen mit dem Kopf, gegen den Wind . . . mit dem Kopf und mit beiden Armen! Ich bin durch die leere Wüste gegangen, über mir das heiße zahnlose Maul des Himmels.

Ich habe mit dem Unsichtbaren gekämpft, weiß nicht, ob es ein Engel war . . . habe gedacht, es ist ein Engel! Aber ich habe keine Federn zu fassen gekriegt. . . auch kein Tuch. Es war ein bleischwerer Schat­ten . . . mit dem habe ich mich gewälzt . . . Ja! Er war weich, – wie flüssiges Metall…

König! Aus deinem Wald, über dem die schwarzen Vögel kreisen, kommt keiner mehr zurück. Das habe ich sagen hören. Laß mich hineingehen!

Tankred Dorst / Grindkopf 1.Szene