Kölner Illustrierte: Herausragend
"Regisseurin Anita Ferraris hat Kleists personenreiches und geschwätziges Ritter-Drama verdichtet, den sperrigen Sprachduktus für lakonisch-witzige Einwürfe genutzt und konzentriert sich nun auf die Dynamik der Gefühle. Überzeugende Schauspieler, überraschendes Bühnenbild... hier hört man das Herz pochen." sw
Rundschau 13. Sept.1997 / Thomas Linden
"Das Theater als Ort des Traums: Heinrich von Kleist hat es so verstanden… Anita Ferraris stellt denn auch in ihrer Inszenierung des „Käthchen von Heilbronn“ die Protagonisten des Stücks als Traumgestalten vor, die einem Psychodrama ihres Autors entsprechen könnten...Die ganze Welt wird in diesen Strudel des Irrsinns gezogen, dessen Dynamik Anita Ferraris mit klaren Bildern und selbstsicherer Regiegeste überzeugend entfesselt."
Stadtanzeiger TIPS UND TERMINE/31.Nov.97
"...Doch ist Regisseurin Anita Ferraris keineswegs nur eine eigensinnige Wahlverwandte des Heinrich von Kleist.
Zum zweiten Mal nach dem wunderschönen „Marionettentheater“ gelingt ihr mit dem „Käthchen von Heilbronn“ eine merkwürdig – faszinierende Achterbahnfahrt zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen Kleistscher Biographie und dem Kunst – Kosmos Theater. Ferraris fasziniert in einer fast leeren Kellerödnis mit einem strengen und anrührenden Kammerspiel über die Wahrheit als einziger Möglichkeit der Menschwerdung." – (oß)
Sandra Nuy/Stadtrevue/Nov.97
"Anita Ferraris und ihr Ensemble besitzen den Mut große Gefühle groß abzubilden."
Karl Rahner Akademie Köln
Liebe Frau Ferraris!
Ihr „Käthchen von Heilbronn“ geht uns nicht aus dem Kopf. Wie schade, daß es im Frühjahr nicht mehr gespielt wird; wir wären sicher noch einmal gekommen, denn wir entdecken immer noch Neues.
Ihre Inszenierung ist für mich von zwingender Schlüssigkeit. Die Suche nach Wahrheit, nach Erkenntnis durch Reflexion oder das innerste Gefühl, die Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen menschlicher Existenz, der Liebe und dem Tod, bestimmen sowohl den Rahmen (in Kleists Kopf) wie das dort angesiedelte „Käthchen“.
Die Welt ist aus den Fugen – zu Kleists Zeit, in Kleists Stücken wie heute.
In der Rahmenhandlung erfahren wir von der geradezu euphorischen Liebe Heinrich von Kleists zu Henriette Vogel; aber diese Euphorie verdankt sich ja nur dem gemeinsamen Willen, aus diesem Leben, aus dieser Welt zu scheiden. Die Rahmenhandlung endet mit Mord und Selbstmord. So kann auch im „Käthchen“, in den Figuren, die Kleist erfindet, um seine Erfahrungen, seine Sehnsüchte auszudrücken, am Ende nur das Scheitern stehen: als Verrücktwerden beim Vater, als Vernichtung aller Hoffnungen auf Beseelung bei Kunigunde, als Tod Käthchens.
Was mich nun besonders beeindruckt: Wie am Ende Ihrer Grillparzer-Inszenierung, als Sie uns Zuschauer auch nicht mit den Leichen zurückließen, sondern die „Frau aus dem Meere“ mit ihrem wunderbaren orientalischen Märchen erfanden, uns mit einer offenen Frage entließen, so setzen Sie auch in dieser Inszenierung am Ende ein Gegenbild mit dem Blick der Schauspieler in einen anderen, lichterfüllten Raum, mit der Frage: „ein Traum – was sonst?“
Und für etwas ganz anderes habe ich Ihnen ebenso herzlich zu danken, liebe Frau Ferraris: Über mehrere Jahre haben Sie mir gezeigt, daß es möglich ist, unter widrigsten Umständen mit großer Kreativität, mit Entfaltung von Phantasie, mit Einsatz aller Energie etwas zu schaffen, das weiterwirkt, das Menschen betrifft, zum Nachdenken, zum Dialog einlädt. Ihr Beispiel macht Mut! Und auch dafür gilt Ihnen mein Dank!
Bitte grüßen Sie ihr Team noch einmal sehr herzlich von uns und der Karl Rahner Akademie und
nehmen Sie unsere guten Wünsche mit auf dem Weg in das Jahr 1998!
Herzlichst!
Ihr Rainer Nellessen