Wunderbare Rollenarbeit an der Rolle der Lena aus Büchners „Leonce und Lena“, die einen Mann heiraten soll, den sie nicht liebt. Büchners grossartige Sprache und seine gewaltigen Bilder werden durch die lebendige Präsenz einer jungen Schauspielerin (Karlotta M.) belebt.

Prinzessin Lena im Brautschmuck. Ein Garten:

„Ja, jetzt. Da ist es. Ich dachte die Zeit an nichts. Es ging so hin und auf einmal richtet sich der Tag vor mir auf. Ich habe den Kranz im Haar – und die Glocken, die Glocken! Sieh, ich wollte, der Rasen wüchse so über mich und die Bienen summten über mir hin; sieh, jetzt bin ich eingekleidet und habe Rosmarin im Haar. Gibt es nicht ein altes Lied:

Auf dem Kirchhof will ich liegen,
Wie ein Kindlein in der Wiegen…

Oh Gott, ich könnte lieben, warum nicht? Man geht ja so einsam und tastet nach einer Hand, die einen hielte, bis die Leichenfrau die Hände auseinander nähme und sie jedem über der Brust faltete. Aber warum schlägt man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten? Was hat meine arme Hand getan? – Dieser Ring sticht mich wie eine Natter.

Ein Mann – den man nicht liebt… Pfui! Siehst du, ich schäme mich: Morgen ist aller Duft und Glanz von mir gestreift.

Bin ich denn, wie die arme, hilflose Quelle, die jedes Bild, das sich über sie bückt, in ihrem stillen Grund abspiegeln muss? Die Blumen öffnen und schließen, wie sie wollen, ihre Kelche der Morgensonne und dem Abendwind. Ist denn die Tochter eines Königs weniger als eine Blume? – Ein Opferlamm – und der Priester hebt schon das Messer. – Mein Gott, mein Gott, ist es denn wahr, die Welt sei ein gekreuzigter Heiland, die Sonne seine Dornenkrone und die Sterne die Nägel und Speere in seinen Füßen und Lenden?“

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